Plastikland.

Weil Frau Sonnenanne gerade so in Blogstimmung ist, greift sie die frühere Frage nach dem Erzählen über Kanada mal auf. Also sie schildert natürlich nur so in subjektiven Ansätzen wie sie das hier empfindet. Erhebt sozusagen keinen Anspruch auf Vollständigkeit/ “Richtigkeit”.

Kanada ist grundsätzlich ein sehr schönes Land, mit sehr schöner Landschaft. Vancouver ist hier wiederum eine sehr schöne Stadt, vor allem im Sommer. Im Winter zu meiden, da es eigentlich nur regnet. Und keine Stadt ist bei Regen schön. So mit Pazifik und Rockys direkt nebenan hat man hier aber alles was man braucht.

Die Kanadier, wie ich sie bis jetzt erlebt habe gibt es nicht. Denn, wir erinnern uns, Kanada/Nordamerika ist ein Einwandererland. Wenn ich also sage ich sei aus Deutschland erzählt mir jeder zweite von seinem deutschen Vater, seiner deutschen Tante oder dass er in “Nurnburg” geboren wurde. Jaja, ein Mischlingsland. Das ist allerdings sehr schön, vor allem weil man hier kaum über Rassismus redet sondern Toleranz einfach lebt und den Schwarzen auf der Straße nicht ganz erstaunt anguckt. (Wenn allerdings bei Starbucks mal wieder n Haufen Asiaten kurz vor Ladenschluss reinkommen, 20 Minuten auf die Menütafel starren und dann doch nur wieder zur Kasse kommen und “callamel makkiatooooo - toll seiz” sagen - dann wird manchmal meine Toleranz überstrapaziert. Besonders wenn sie dann weitere 10 Minuten nach dem passenden Wechselgeld suchen. Manchmal.)

Um das Schreiben dieses Posts einfacher zu machen werde ich trotzdem weiter von “den Kanadiern” sprechen. Die Kanadier sind der Legende nach (ich war noch nicht in den Staaten) ein wesentliches Stückchen schlauer als die Amerikaner und legen wert auf den Unterschied zwischen beiden. Denn sie hassen George Bush. Ansonsten sind sie allerdings politisch nicht weiter ernsthaft engagiert/interessiert, es sei denn sie haben es als Hauptstudienfach.
Kanadier sind außerdem daran gewöhnt, für College und Krankenhaus Millionen zu zahlen und gucken dich mit großen Augen an, wenn du sagst, dass das in Deutschland noch ohne Gebühren ist. Sie haben eine sehr große Jobauswahl und wechseln ihre Berufe des Öfteren, kündigen ohne große Sorgen und finden neue Stellen, denn die Arbeitslosenrate ist hier so tief wie zuletzt in den 60ern.

Sie sprechen dich in jedem Supermarkt und an jedem Hauseingang mit “hi, how are you”/”how´s it going?” an und erwarten keine ehrliche Antwort. Ein friedliches Leben führst du mit einem “good and you?” das man auch zu “not bad” abwandeln kann, um zu zeigen, dass es doch nicht sooo gut geht. Aber eigentlich kämpft jeder für seinen Traum und verwirklicht ihn auch irgendwann.

Kanadier fahren 2 Blocks (5 Minuten zu Fuß) mit dem Auto und schützen das Klima durch Recycling überall. Sie gehen zum Abendessen öfters in ein Restaurant, geben dort grundsätzlich mindestens 10 Prozent Trinkgeld und rauchen nach dem Essen nur sehr selten eine Zigarette und wenn, dann bestimmt nicht am Tisch, sondern draußen auf dem sogenannten “patio”. Sie haben auch kein Problem mit 10 bis 20 Dollar Eintritt in ganz normale Clubs, die 2:30 Uhr zu machen und horrenden Gebühren fürs Fitnessstudio, dass sie natürlich regelmäßig aufsuchen.

Ansonsten ist neben Politik und Religion auch Sex sehr oft ein Tabuthema. Nun, jedem das seine.

Kanadier sind des weiteren ein sehr erwachsenes Volk. Ziehen mit 18 zu Hause aus, erarbeiten sich Geld, erst angeblich fürs Studium, später einfach nur weil Arbeit Spaß macht und heiraten des Öfteren bevor sie 30 sind.
Insgesamt sind die Kanadier ein sehr freundliches, ehrliches, etwas oberflächlisches aber liebes Völkchen, das man nur gern haben kann. So wie man eben die kleine süße 13-jährige Nichte lieb hat. Aber eigentlich redet man lieber mit dem gleichaltrigen Bruder.

P.S.: ernsthaft, ich mag es hier gar sehr. Nur als dauerhaftes Auswanderland könnte ich mir Kanada nicht wirklich vorstellen. Darum ging es mir unter anderem in diesem Post.

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