ALBTRAUM ABFLUG
Okay, wir waren endlich am Flughafen Koeln / Bonn angekommen und ich wollte mein Gepaeck abgeben. 20 kg Freigepaeck. Zu Hause hat mein Koffer 23 kg gewogen, okay, 3 kg zu viel ist ja nicht so schlimm… Also rauf auf die Gepaeck-Waage… SCHOCK…
35 kg!!! Das ist alles nur ein boeser Albtraum… “Die Waage ist bestimmt kaputt..” Doch keine Chance. Sie war nicht kaputt. Mein Koffer war einfach zu schwer, 15 kg zu schwer! Doch dank des lieben L.-Mitarbeiters (nochmal DANKE, DANKE, DANKE!!!) wurde mal ein Auge ueber 15 kg Uebergepaeck zugedreueckt und mein Koffer rollte ueber die Rollbahn Richtung Flugzeug. Nochmal Glueck gehabt… Puh…
Doch, noch keine 20 Meter spaeter, fiel mir ein Plakat ueber die neue Handgepaecksordnung ins Auge (alle Fluessigkeiten in einen 1 Liter-Beutel, verschliessbar, eine Tube darf hoechstens 100 ml enthalten…). Na toll, mein Haarspray war in meinem Handgepaeck und es waren 200 ml. Na ganz klasse. Also neues Haarspray gekauft, nur 50 ml. Aus natuerlichen Essenzen. (Anmerkung: Das war das besch…. Haarspray das ich jemals hatte..)
Also, ab zum Flugzeug. Vorher Abschied, die ersten Traenchen.
Dann sass ich endlich im Flugzeug. Fensterplatz. Der groesste Teil des Flugzeugs war vollgestopft mit 16 jaehrigen Teenies einer englischen Schulklasse, deren englische Lehrer, viele wichtige Buero-Menschen mit Aktentaschen und englischen Zeitungen, einer Handvoll deutschen Jugendlichen (die, wie ich spaeter in London festgestellt habe, alle Ferien in einer Sprachschule machen) und ich. Das sass ich dann. Ganz allein und hab geheult. Der Mann neber mir, Aktentasche und englische Zeitung, hat dann gemeint es waere ganz normal wenn man Fluganst hatt. Ich hab mir nur gedacht “Wenn sie wuessten…”
ALBTRAUM ANKUNFT
Eine Std. Flug. Dann war ich endlich da. In London. Vom Sonnenschein in regnerisches Nebel-Wetter. Ich hab gefroren. Dann die Panik: Aus welchem der fuenf Gepaeckdinger kommt nun mein Koffer raus. Also bin ich erstmal 10 Minuten wie von einer Tarantel gestochen rumgerannt und hab gekuckt ob irgendwo “Cologne” steht. Aber ich fands einfach nicht. Dann ist mir aufgefallen, dass alle Passagiere, die mit mir geflogen sind, nicht wie ich wild herumrennen, sondern brav unter einer Anzeigetafel stehen und darauf starren. Ich mich also wie selbstverstaendlich dazugestellt und siehe da, da stand auch Cologne und dahinter eben noch keine Nummer fuer die Gepaeckdinger, sondern “waiting”. Da stand ich dann ueber eine halbe Stunde und hab gewartet, bis endlich eine Nummer angezeigt worden ist. Dann bin ich schnell losgerannt, weil ich ganz vorne stehen wollte. Nicht das mein Koffer geklaut wird, schliesslich war da mein halber Kleiderschrank, sowie mein restliches Hab und Gut drin. Und dann kam er auch angerollt. Mein Koffer oder auch satte 35 kg. Weit mehr als die Haelfte von mir. Ich hab also den Koffer gepackt und… nichts tut sich, der Koffer rollt weiter, auch mit mir am Tragegriff… Dann hab ich also meine ganze Kraft gesammelt und einen heftigen Ruck und… Wuppa… Koffer runtergeschleudert und fast einen Mann umgemaeht… Sorry, Sir! Das bei diesem Wuppa nicht nur der Koffer, sondern auch ich, ca. einen Meter geflogen bin, will ich nur so am Rande erwaehnen… Scheisse, war das Ding schwer….
Ich also zur Ankunft-Stelle und hab mich erwartungsvoll umgesehen. Irgendwo muss doch auch eine Frau stehen mit einem “Luisa Schreiner”-Schild. Pustekuchen… Okay, Geduld ist eine Tugend. Und ich wartete und wartete und wartete und… bekam Panik. Was wenn ich vergessen wurde? Wenn sie mich nun doch nicht wollen? Wenn mich keiner abholt…? 
Gluecklicherweise kam ich dann irgendwann auf die grandiose Idee mal mein Handy anzumachen. Mehrere SMS. Mehrere Anrufe. Das Auto meiner Gastmutter ist kaputt gegangen, auf dem Weg zum Airport. Super Start. Ich hab die dann auch angerufen, leider aber nicht verstanden. Nein, es lag nicht am Englisch, im Flughafen war es einfach viel zu laut… Nach ca 20 weiteren Anrufen (Ja, es waren wirklich so viele…) hat sie mir dann gesagt, ich soll zur Information gehen und warten, sie wurde mir einen Taxifahrer schicken, der zuerst mich und dann sie abholen wuerde.
Gesagt, getan, gewartet, gewartet, gewartet,… Irgendwann kam dann einer daher mit einem Schild. Da stand zwar nicht “Luisa Schreiner” drauf, aber zumindestens sowas wie “Louise Seiner”. Bin wohl ich… (Anmerkung: Bis dahin waren 2 Stunden vergangen…). Mit ins Parkhaus, mit ins Taxi und los gings. Die Fahrt bis zu meiner Gastmutter dauerte ca 45 Minuten und der Taxifahrer hat mich unendlich zugelabert. Da ich ja aus Deutschland bin und der aus Pakistan kam, konnten wir beide nicht sehr gut Englisch miteinander sprechen, da wir beide verschiedene Akzente besassen, was dann aber doch irgendwie lustig war. Der hat mir dann noch seine Karte gegeben, mit der Aussage “Wenn du noch mal im Westen von London bist, ruf mich mal an, dann gehen wir mal einen Kaffee trinken!” Ich so “Na ja, ich glaube ja nicht das du dich dann noch an mich erinnerst.”…”Doch, doch natuerlich, du musst dich nur mit ‘Luisa’ melden, dann werde ich dich ‘Luise’ nennen, und du wirst wieder ‘Luisa’ sagen, und dann weiss ich, ach das war doch die aus Deutschland!”
(Anmerkung:
Alle Englaender haben die groessten Probleme ‘Luisa’ richtig auszusprechen. Der Taxifahrer hat mich die ersten 5 Minuten ‘Luisa’ genannt, meine Gastmutter meinte in meinen Unterlagen muesste ein Fehler sein und wollte mich ‘Louisa’ schreiben und Miles hat mich die ersten zwei Wochen ‘Luis’ genannt, bis er auch noch das ‘a’ drangehangen hat.)
Na ja, wohl eher trotzdem nicht. Aber das hat mich sehr aufgemuntert.
ANKUNFT IN LONDON
Dann endlich noch meine Gastmutter abgeholt und auf nach St. John’s Wood. Erstmal das Haus ist superschoen und ich denke fuer London recht gross und bestimmt ziemlich teuer. Sie haben sogar einen Garten. Und Alarmanlage. Und Gitter vor manschen Fenstern zum Abschliessen… Na ja. Dann wollte sie mir noch mein Zimmer zeigen, im 4. Stock… Ich hab den Koffer erstmal stehengelassen… Also, ganz nach oben…
Das Zimmer ist klein, sogar winzig. Der groesste Teil wird von einem riesigen Doppel-Bett eingenommen. Ich wuerde sagen, das Zimmer ist ca 3×3 Meter gross, das wars. Im Gegensatz dazu ist mein Zimmer in Helferskirchen ein Palast… Na ja…
So, dann wieder das Problem “Koffer”. Zuerst wollte ich ihn unten oeffnen und immer wieder Einzelteile nach oben tragen, aber 20 mal 4 Stockwerke hoch und runter latschen. Nein Danke. Also hab ich mal wieder meine ganze Kraft zusammengenommen und den Koffer die gesamten Treppen hochgeschleift… und ca 20 Minuten dafuer gebraucht. Was solls…
Das war also der erste Tag, inklusive Kennenlernen, Supper, etc..