Interview mit Simone Nürnberg - North Carolina

Simone Riedl (aus der Nähe von Nürnberg)

Au Pair in den USA von März 2007-März 2008 - in Colorado und North Carolina

1. Was hat dich dazu bewegt eine Au Pair Zeit einzulegen?

Ich kannte jemanden, der auch schon vor ein paar Jahren Au Pair war und seitdem habe ich ständig darüber nachgedacht und dann wollte ich es eigentlich schon mit 16 Jahren in Angriff nehmen, aber da war ich leider noch zu jung. Wie ich dann endlich meine Ausbildung beendet hatte, bot sich die perfekte Möglichkeit für mich, da ich es liebe zu reisen und sehr gerne mit Kindern umgehe.

2. Hast du alles selber organisiert oder bist du mit einer Organisation unterwegs?

Ich hatte eine Agentur.

2.1 Falls ja, welche Organisation?

Ich war bei Cultural Care Au Pair. (www.culturalcare.de)

2.2 Wie zufrieden bist du mit der Arbeit dieser Organisation?

Ich denke, dass Cultural Care eine sehr gute Agentur ist und ich habe mich immer sehr aufgehoben und beraten gefühlt. Die Mitarbeiter sind nett und ich finde, dass ich gut auf mein Jahr als Au Pair vorbereitet wurde.

3. Wieso möchtest du gerade in diesem Land (Stadt) wo du dich gerade aufhältst Au Pair sein?

Ich wollte schon immer mal nach Amerika. Natürlich darum, weil es eines der größten, mächtigsten und vielfältigsten Länder ist.

4. Wie gut kommst du mit deiner Au Pair Familie klar?

Ich hatte eigentlich zwei Familien. Ich hab nach einem halben Jahr von Colorado nach North Carolina gewechselt. Mit meiner ersten Familie habe ich mich nicht total schlecht verstanden, da ich ja schließlich ein halbes Jahr bei ihnen war, aber es konnte natürlich besser sein. ich denke wir haben einfach nicht zusammen gepasst.

Mit meiner zweiten Familie in North Carolina habe ich mich dann super verstanden. Sie hatten zwar 4 Kinder und es war immer recht hecktisch, aber wir waren immer ein gutes Team und die Kinder waren zuckersüß.

5. Wie groß ist dein Zimmer?

Mein Zimmer bei meiner ersten Familie, war ein ziemlich normal großes Zimmer von ca. 6×6 Metern.

Das Zimmer bei meiner zweiten Familie war da schon etwas kleiner. Was um die 3×3 Meter. Am Anfang war es dann schon etwas erdrückend, aber nach ein paar Tagen, hatte ich mich daran gewöhnt und irgendwann hatte ich es dann richtig lieb gewonnen auch mit der Tatsache, das es überhaupt keinen Kleiderschrank hatte und bei mir alles am Boden lag.

5.1 Ist es eher luxuriös oder spärlich eingerichtet?

Mein erstes Zimmer hatte ein wunderschönes Kingsize Bett, in das ich jeden Abend sehr gerne versunken bin. Die Möbel ansonsten waren jetzt nicht mehr der Hit, da sie alles für das erste Au Pair gekauft haben und ich ja schon das zehnte war. Dafür hatte ich einen super Wandkleiderschrank mit Spiegeltüren. Einen Fernseher und ein Telefon hatte ich auch.

Mein zweites Zimmer war wie ich angekommen bin, nichtmal möbeliert. Da ich das erste Au Pair meiner Familie war und sie noch nicht wirklich vorbereitet waren, hatte ich ein älteres kleines Bett und noch zwei ältere Möbelstücke vom Dachboden. Das Zimmer hat auch keinen Kleiderschrank gehabt. Es war ein Zimmer, das meine Gastmutter zuvor als Büro nutzte. Nach einiger Zeit habe ich dann einen Kleiderschrank zum lagern mit Reissverschluss bekommen, den meine Gastmutter bei Ikea oder so bestellt hatte, aber der ist leider zusammen gebrochen, zweit Monate später. Am Anfang habe ich mich schon gewundert, aber dann habe ich alles lieb gewonnen. Ich hatte auch einen Fernseher, ein Telefon und später ist dann einen Computer dazu gekommen.

6. Gab es schon Probleme mit deiner Familie? Wie hast du sie gelöst?

Mit meiner ersten Familie gab es da natürlich Probleme, die wir leider nicht wirklich lösen konnten, deshalb hatte ich ja auch den Wechsel. Wobei unsere entstandenen Probleme, die zum Wechsel geführt haben, wohl dann eher an unseren Persönlichkeiten gelagen haben. Natürlich hatten wir auch kleinere Probleme über die wir dann auch gesprochen haben und zusammen haben wir versucht sie zu lösen, nur da wir ja schon allgemein nicht wirklich miteinander konnten, war das natürlich umso schwerer und dann ist da auch recht viel auf der Strecke geblieben.

Bei meiner zweiten Familie war es dann natürlich nicht ganz so schlimm. Wir sind meistens immer recht gut miteinander ausgekommen, da die Chemie einfach auch stimmte. Da sie mich aber als ihr erstes Au Pair hatten, waren wir dann schon öfter beide mal ratlos und haben uns gegenseitig ausgeholfen, was zu einem viel besseren Endergebnis führt. Wir haben natürlich auch umso mehr miteinander geredet und da sind nicht wirklich allzu viele Missverständnisse entstanden.

7. Wie viel Au Pair Gehalt bekommst du?

In meinen ersten Au pair Monaten habe ich um die 137 Dollar bekommen, dann wurde es ca. in der Mitte meines Jahres auf 157.95 Dollar erhöht.

8. Wie alt sind die Kinder auf die du aufpasst?

In meiner ersten Gastfamilie hatte ich zwei Kinder mit 7 und 10 Jahren.

In meiner zweiten Familie hatte ich 4 Kinder mit 1, 3, 8 und 13 Jahren.

9. Hattest du Heimweh?

Am Anfang war ich eigentlich viel zu aufgeregt um an so was zu denken und da war´s ja auch noch nicht ganz so lange gewesen. Aber dann als erst einmal alles zum Alltag wurde, dann hatte ich schon etwas Heimweh. Wobei es nicht wirklich so schlimm war, dass ich daran gedacht habe, nach Hause gehen zu wollen. Die meiste Zeit hatte ich keines aber dann am Ende ist es wieder stärker geworden, weil man natürlich mehr an Zuhause gedacht hat und mit den Vorbereiten für die Rückkehr beschäftigt war.

9.1. Falls ja wie hast du dieses Heimweh verarbeitet?

Meistens habe ich es allein verarbeitet. Ich habe immer daran gedacht, wie es wäre wenn ich mich wirklich das ganze Jahr selbst damit nerven würde, ständig an Zuhause zu denken und daran, vielleicht abzubrechen. Aber dann dachte ich immer an all die Zeit und Mühen und Geld, die ich in das Vorhaben gesteckt habe, und dass es eben immer mein Traum war und dass ich das jetzt durchziehen werde da es meine einzige Chance ist und ich nicht mehr in der Art zurück könnte. Ich wusste, ich hätte mich natürlich auch selbst enttäuscht, wenn ich es nicht geschafft hätte. Das wollte ich mir nicht für immer vorwerfen.

Natürlich haben mir da auch meine Familien und Au Pair Freunde sehr weiter geholfen. Immer wenn ich wieder mit meinen Freundinnen weg war oder ich einen rießen Spaß mit meinen Kindern hatte, dachte ich daran, wie schön es doch ist.

10. Wie schnell haben sich deine sprachlichen Fähigkeiten weiterentwickelt?

Am Anfang ging es doch etwas langsamer, da ich eben nicht wirklich mit meiner ersten Familie geredet habe und ich etwas frustriert war wegen der ganzen Situation in der ich mich befand. Am schnellsten ging es, wenn ich mit meinen Au Pair Freunden geredet habe, da die meisten ja Frauen waren und die reden ja bekanntlich nicht wenig. Nach ca. drei Monaten hatte ich dann mein flüssiges Reden erreicht, bei dem ich nicht wirklich allzu viel nachdenken musste über die Worte die ich sagen wollte.

Aber jetzt würde ich mich schon als perfekt in Altagssituationen und auch darüber hinaus einschätzen. Natürlich lernt man in der Sache nie aus.

11. Was stört dich am meisten?

Mich hat nie wirklich irgendwas furchtbar gestört. Natürlich gab es da einige Frustrationen am Anfang mit meiner ersten Gastfamilie und die Weise, wie mein Gastvater öfter mal mit mir umgesprungen ist. Die kleineren Fehler meiner Situationen hatte ich öfter übersehen, da das für mich alles zum “Erfahrungen sammeln“ dazu gehört hat. Wobei ich mir in meiner zweiten Au Pair Gruppe, etwas geselligere Au Pairs gewünscht hätte.

12. Was findest du am schönsten?

Am schönsten finde ich wirklich die Tatsache, dass ich die Chance bekam für ein Jahr in Amerika zu leben. Überhaupt einfach dort zu sein, ohne mal an die kleinen Problemchen zu denken. Ich hatte super Au Pair Freunde und einen tollen LCC in Colorado. Auch wenn ich Probleme hatte mit meiner ersten Familie, habe ich die Zeit in dem schönen Staat Colorado sehr genossen. Da ich ja bei meinem Wechsel sehr besorgt darüber war, dass ich wieder eine nicht passende Familie bekommen könnte, habe ich mich dann umso mehr gefreut, das ich doch eine perfekte 2. Gastfamilie bekommen habe, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Die Kinder waren einfach zum Fressen süß und mir hat es sehr viel Spaß gemacht mich mit ihnen zu beschäftigen. Ich hatte auch wieder eine wirklich tolle Freundin in North Carolina, mit der ich fast alles gemacht habe.

13. Würdest du deiner Au Pair Familie deinen Freunden / Freund/in vorstellen?

Wenn ich einen Freund gehabt hätte, dann hätte ich ihn natürlich vorgestellt. Meine Gasteltern waren immer sehr verständnissvoll und kompromissbereit, was sich natürlich in verständlichen Grenzen gehalten hat. Meine normalen Au Pair Freunde und Bekanntschaften habe ich natürlich nicht alle mit nach Hause genommen, aber einige sind schon mal rüber gekommen und alle waren eigentlich immer sehr kontaktfreudig.

14. Wie viel Freizeit hast du?

In meiner ersten Gastfamilie hatte ich etwas mehr Freizeit. Ich hatte eigentlich jedes zweite Wochenende ganz frei und die anderen Wochenenden musste ich dann bloß an entweder Samstag oder Sonntag nur ein paar Stunden arbeiten, da die Eltern ausgehen wollten. Unter der Woche habe ich dann früh gearbeitet um die Kinder fertig für die Schule zu machen und habe sie zur Schule gebracht. Danach hatte ich etwa 6 Stunden am Vormittag frei bis um ca. 3 uhr rum. Wenn ich die Kinder abgeholt hab, dann arbeitete ich meistens noch bis zwischen 18 und 20 Uhr.

Bei meiner zweiten Gastfamilie wars dann schon etwas stressiger. Die zwei älteren Kinder hatten jeden Tag Schule bis 2:30 und 4 Uhr rum und die zwei Kleinen hatten jeden zweiten Tag Kindergarten in der Früh, was mir erlaubte ca. 6 Stunden Freizeit zu haben. An den anderen 3 bis 4 Tagen der Woche musste ich dann meistens den ganzen Vormittag arbeiten und hatte dann nur die 3 Stunden Mittagsschlaf der Kinder frei und dann ging es wieder weiter bis zum Abend. Meine Gastmutter hat es schon immer so geregelt, dass ich keine Überstunden mache, aber öfter hat sie dann schon mal einen Ausgleich dafür geben müssen.

15. Wie gefallen dir die Essgewohnheiten deines Au Pair Landes? (Schmeckt das Essen & Trinken, wie teuer ist es etc. )

Man sagt ja immer, dass Amerika das Land der Übergewichtigen ist, was natürlich auch stimmt und dass es fast nur Fastfood gibt ect. Aber da ich ein sehr gesunder Esser bin, habe ich mich auch über die Auswahl der gesunden Sachen gefreut. In meinen Gastfamilien gab es eigentlich immer gutes und sogar manchmal richtig gesundes Essen. Fastfood ist zwar jetzt nicht so kulinarisch wie das Essen in Italien und Frankreich, aber eben eine Kultur für sich.

Im Großen und Ganzen hat mir das Essen immer sehr gut geschmeckt (mit Ausnahmen) und da in Amerika sowieso alles billiger ist als in Deutschland hat mir das Einkaufen, nicht nur von Essen, sondern allgemein immer sehr viel Spaß gemacht.

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